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Solo Mining vs. Lottery Mining: Die wichtigsten Unterschiede

Werner Bundschuh

Solo Mining und Lottery Mining werden oft gleichgesetzt, technisch sind es aber zwei verschiedene Dinge. Bevor du deinen ersten Bitaxe einrichtest, lohnt es sich, den Unterschied zu kennen.

Beim Solo Mining betreibst du deinen eigenen Bitcoin-Knoten und baust deine eigenen Blockvorlagen. Beim Lottery Mining nutzt du einen Solo-Pool wie CKPool oder Public Pool, der dir Knoten und Templates abnimmt. In beiden Fällen ist die Chance pro Tag mit Home-Hardware verschwindend klein, aber sie ist nicht null. Seit Juli 2024 wurden mindestens sieben Blöcke von kleinen Home-Minern gefunden, die meisten davon mit Bitaxe oder verwandter Open-Source-Hardware. Die Blockbelohnungen lagen zum Zeitpunkt des Funds bei rund 200.000 bis 342.000 USD.


Die Kernunterschiede auf einen Blick

Merkmal Solo Mining Lottery Mining (über Solo-Pool)
Eigener Bitcoin Full Node Erforderlich Nicht nötig
Eigene Blockvorlagen Du selbst Pool (außer mit DATUM)
Blockbelohnung bei Erfolg 100 % (3,125 BTC + Fees) rund 98 bis 100 % je nach Pool-Gebühr
Pool-Gebühr Keine Public Pool: 0 %, Solo CKPool: 2 %
Einrichtungsaufwand Hoch Plug-and-Play
Vertrauensniveau Vollständig vertrauenslos Geringes Restvertrauen in den Pool
Zahlungsfrequenz Extrem selten Extrem selten

Was ist Solo Mining?

Beim Solo Mining schürfst du vollkommen eigenständig. Du nutzt deine eigene Hardware und betreibst einen eigenen vollständigen Bitcoin-Knoten.

  • Dein Miner ist direkt mit dem Netzwerk verbunden, ohne Mining-Pool und ohne Mittelsmann.
  • Findest du einen gültigen Block, bekommst du die gesamte Blockbelohnung (aktuell 3,125 BTC) plus alle Transaktionsgebühren.
  • Du erstellst deine eigenen Blockvorlagen und wählst selbst, welche Transaktionen aufgenommen werden. Du musst dabei niemandem vertrauen.
  • Du trägst die volle Varianz: kein Block, keine Belohnung. Bis zu einem Fund können Jahre oder Jahrzehnte vergehen.

So war Bitcoin-Mining in den Anfangsjahren gedacht: ein eigener Knoten, eine eigene Maschine, eigene Blöcke.

Was ist Lottery Mining?

Lottery Mining wird oft mit Solo Mining verwechselt, technisch funktioniert es aber anders:

  • Du verbindest deinen Miner mit einem Solo-Mining-Pool wie Solo CKPool oder Public Pool.
  • Der Pool übernimmt die technischen Aufgaben: vollständiger Knoten, Erstellung der Blockvorlagen, Einreichen des Blocks.
  • Bei einem Blockfund erhältst du fast die volle Belohnung, abzüglich einer kleinen Pool-Gebühr (Public Pool: 0 %, Solo CKPool: 2 %).
  • Du brauchst weder einen eigenen Knoten noch tiefe technische Kenntnisse. Du trägst die Stratum-Adresse ein, setzt deine eigene Bitcoin-Adresse als Worker und bist fertig.

Der Name „Lottery“ beschreibt die Lage recht genau: Mit deinem Stromverbrauch kaufst du dir alle zehn Minuten ein Los.


Wie hoch sind die Chancen wirklich?

Die Bitcoin-Netzwerk-Hashrate lag im Mai 2026 bei rund 870 EH/s bis 1 ZH/s (eine Trilliarde Hashes pro Sekunde), die Mining-Difficulty bei 132,47 T.

Daraus ergeben sich folgende Wahrscheinlichkeiten für gängige Home-Miner:

Hardware Hashrate Chance pro Tag Chance pro Jahr Erwartete Wartezeit
Bitaxe Gamma (Standardeinstellung) 1,2 TH/s ca. 1 zu 5,8 Mio. ca. 1 zu 16.000 ca. 15.000 Jahre
Bitaxe GT (Gamma Turbo) 2,15 TH/s ca. 1 zu 3,2 Mio. ca. 1 zu 9.000 ca. 8.500 Jahre
NerdQaxe++ 4,8 TH/s ca. 1 zu 1,5 Mio. ca. 1 zu 4.000 ca. 3.800 Jahre
6× NerdQaxe++ Cluster ca. 29 TH/s ca. 1 zu 240.000 ca. 1 zu 650 ca. 640 Jahre

Diese Zahlen sind ernüchternd. Trotzdem ist jede dieser Wahrscheinlichkeiten größer als null, und jeder einzelne Hash ist ein eigener, unabhängiger Versuch. Deshalb haben Home-Miner in den letzten zwei Jahren immer wieder Blöcke gefunden, obwohl die Rechnung dagegen spricht.


Reale Solo-Blockfunde 2024 bis 2026

Die folgenden Blöcke sind in der Bitcoin-Blockchain dokumentiert und lassen sich auf mempool.space nachprüfen:

  • 24. Juli 2024, Block 853.742: der erste Bitaxe-Block. Eine Bitaxe Ultra mit nur 500 GH/s fand einen Block über Solo CKPool und erhielt 3,15 BTC (damals rund 200.000 USD). Die Wahrscheinlichkeit lag rechnerisch bei etwa 1 zu 1,1 Milliarden pro Block.
  • 10. März 2025, Block 887.212: Ein kleines Solo-Setup aus sechs Bitaxe mit zusammen rund 3,3 TH/s findet einen Block, gefunden hat ihn ein einzelner Bitaxe Ultra mit 480 GH/s. Belohnung: 3,15 BTC (rund 250.000 USD).
  • März 2025, Block 889.975: Eine Bitaxe Gamma mit Werkseinstellungen und 1,2 TH/s findet einen Block. 3,149 BTC gehen an einen einzelnen Home-Miner.
  • 5. September 2025, Block 913.272: erster Blockfund mit einem NerdQaxe++, allerdings über den Ocean-Pool mit DATUM und daher mit anteiliger Auszahlung.
  • 27. Oktober 2025, Block 920.440: Ein Home-Setup aus sechs NerdQaxe++ und einem Avalon-Miner (zusammen rund 130 TH/s) findet einen Block. Belohnung: rund 342.000 USD. Der anonyme Besitzer gab an, damit sein Haus abzubezahlen.
  • 21. November 2025, Block 924.569: Ein Setup mit 1,2 TH/s (vermutlich eine Bitaxe Gamma) findet einen Block über CKPool. Vierter dokumentierter Bitaxe-Block.
  • 10. Juli 2026, Block 957.382: Ein Bitaxe mit rund 1 TH/s findet über Public Pool einen Block.
  • 28. Februar 2026, Block 938.713: Ein unbekannter Miner mit unter 10 TH/s findet den ersten Solo-Block bei Parasite Pool.

Solo CKPool dokumentiert rund 22 verifizierte Solo-Blöcke durch Klein-Miner im rollierenden 12-Monats-Zeitraum, im Schnitt also etwa alle 15,6 Tage. Statistisch ist das keine Anomalie, sondern die zu erwartende Verteilung: Irgendjemand findet diese Blöcke, und immer mehr dieser Miner arbeiten zu Hause mit Open-Source-Hardware.


Warum man es trotzdem macht

Wenn die erwartete Wartezeit Jahrtausende beträgt, stellt sich die Frage nach dem Grund. Die häufigsten Motive:

  1. Souveränität und Lernen. Mit eigenem Knoten bist du aktiver Teil des Bitcoin-Netzwerks, statt nur Hashrate an einen Pool zu liefern. Dabei lernst du viel darüber, wie Bitcoin im Detail funktioniert.
  2. Dezentralisierung. Jeder Home-Miner mit eigenem Knoten holt einen winzigen Anteil der Hashrate aus den großen Pools zurück. Im Mai 2026 haben sich sieben große Pools zur Stratum-V2-Unterstützung verpflichtet, also zu einem offenen Standard, bei dem Miner ihre Blockvorlagen selbst bauen können.
  3. Kleiner Einsatz, große mögliche Belohnung. Bei rund 17 W Verbrauch (Bitaxe Gamma) kostet dich ein Bitaxe etwa 2 bis 4 € Strom pro Monat. Dafür hältst du dauerhaft ein Los auf 3,125 BTC.
  4. Hobby. Bitcoin-Mining zu Hause ist ein technisch befriedigendes Projekt. Die Geräte sind leise, und im Dashboard siehst du live, was dein Miner gerade tut.
  5. Abwärme nutzen. Ein NerdQaxe++ gibt seine Leistungsaufnahme als Wärme an den Raum ab. Strom, der ohnehin zu Wärme wird, sichert dabei zugleich das Bitcoin-Netzwerk.

DATUM als dritte Option

Im September 2024 hat Ocean das DATUM-Protokoll (Decentralized Alternative Templates for Universal Mining) veröffentlicht. DATUM setzt bei einem lange bekannten Problem an: Beim klassischen Pool-Mining bestimmt der Pool, welche Transaktionen in den Block kommen. Das gibt Pool-Betreibern de facto die Macht, Transaktionen zu zensieren.

Mit DATUM ändert sich das grundlegend:

  • Du erstellst deine eigenen Blockvorlagen über ein lokales DATUM Gateway, das mit deinem eigenen Bitcoin-Knoten (Bitcoin Core oder Bitcoin Knots) spricht.
  • Du wählst selbst, welche Transaktionen in deinen Block kommen.
  • Du bekommst trotzdem anteilige Auszahlungen aus dem Pool. Das senkt die Varianz deutlich.
  • Die Auszahlung erfolgt direkt aus der Coinbase-Transaktion, nicht-kustodial.

DATUM liegt damit zwischen echtem Solo Mining (volle Kontrolle, sehr hohe Varianz) und klassischem Pool-Mining (regelmäßige Sats, aber der Pool entscheidet über die Blockinhalte). Du behältst die Kontrolle über deine Blockvorlagen und bekommst trotzdem regelmäßige Auszahlungen. Im Gegenzug zahlst du eine kleine Pool-Gebühr.

Wenn dir Dezentralisierung wichtig ist, du aber nicht jahrzehntelang auf einen Blockfund warten willst, solltest du dir DATUM genauer ansehen.


Technisches Setup im Überblick

Für echtes Solo Mining

  • Eigener Full Node: Bitcoin Core oder Bitcoin Knots. Ein Pruned Node reicht technisch für das Mining, ein Archiv-Knoten ist sauberer.
  • Mining-Software: Public Pool selbstgehostet auf Umbrel, Start9 oder einem Raspberry Pi. Alternativ Solo CKPool als eigene Instanz.
  • Hardware: Bitaxe Gamma als Einstieg, NerdQaxe++ als Flaggschiff.
  • Wallet: Deine eigene Bitcoin-Adresse trägst du direkt im Miner als Auszahlungsadresse ein.

Für Lottery Mining

  • Pool-Auswahl: Public Pool (0 % Gebühr, beliebt für Bitaxe), Solo CKPool (2 %, etabliert), Parasite Pool (Hybrid-Modell).
  • Konfiguration: Stratum-URL des Pools und deine Bitcoin-Adresse als Worker-Name. Mehr braucht es nicht.
  • Wallet: deine eigene Adresse. Im Erfolgsfall geht die Auszahlung direkt aus der Coinbase-Transaktion an dich.

Für DATUM

  • Ocean als Pool wählen
  • DATUM Gateway auf einem Linux-Rechner mit eigenem Bitcoin-Knoten laufen lassen
  • Den Miner auf das lokale Gateway zeigen lassen statt direkt auf Ocean

Häufige Missverständnisse

„Wenn ich CKPool benutze, bin ich ein echter Solo Miner.“
Nein. Du nimmst an einem Solo-Pool im Lottery-Modus teil. Knoten und Blockvorlage stellt der Pool. Echtes Solo Mining setzt deinen eigenen Knoten voraus.

„Mit 1 TH/s ist Mining nur Stromverschwendung.“
Rechnerisch ist das nachvollziehbar, aber die Chance ist nicht null: Eine Bitaxe Gamma mit Werkseinstellungen und 1,2 TH/s hat im März 2025 einen Block gefunden. Bei 2 bis 4 € Stromkosten pro Monat bleibt der Einsatz klein.

„Lottery Mining lohnt sich finanziell.“
Nicht im Erwartungswert. Die durchschnittliche tägliche Auszahlung liegt praktisch bei 0 €. Wer Lottery Mining als Investment betrachtet, hat das Konzept missverstanden. Es ist ein Los, das nebenbei zur Dezentralisierung von Bitcoin beiträgt.

„Mit Solo Mining bin ich anonym.“
Nur bedingt. Dein Block enthält deine Bitcoin-Adresse in der Coinbase. Wird diese Adresse später mit einer KYC-Börse verknüpft, lässt sich die Verbindung herstellen. Wer anonym bleiben will, sollte CoinJoin-Tools oder eine frische Adresse mit Cold Storage nutzen.

„Solo CKPool und Solo Mining sind dasselbe.“
Siehe erstes Missverständnis. CKPool ist ein Lottery-Mining-Pool mit Solo-Auszahlungsmodell.


Welche Hardware passt zu welchem Ziel?

Einstieg, wohnzimmertauglich:
Bitaxe 603 Gamma: 1,54 TH/s ab Werk, leise. Das aktuelle Einstiegsmodell. Mit dieser Geräteklasse wurden bereits drei Bitaxe-Blöcke gefunden.

Flaggschiff:
NerdQaxe++ Made in Germany: rund 4,9 TH/s bei rund 75 W. Vier BM1370-Chips mit einer Effizienz auf dem Niveau eines Antminer S21, aber in einem Gehäuse, das neben den Schreibtisch passt. Ein NerdQaxe++ hat im September 2025 als erstes Gerät seiner Bauart einen Block gefunden.


FAQ

Lohnt sich Solo Mining mit einem Bitaxe finanziell?

Im Erwartungswert nein. Die mathematische Erwartung pro Tag liegt bei Cent-Beträgen. Bei 2 bis 4 € Stromkosten pro Monat ist der Einsatz allerdings klein und die mögliche Belohnung (3,125 BTC + Fees) groß. Wenn du regelmäßige Einnahmen willst, ist Pool-Mining bei Ocean oder Braiins der passendere Weg. Wenn du eine Wette mit kleinem Einsatz und sehr großer, aber sehr unwahrscheinlicher Auszahlung suchst, passt Lottery Mining.

Was kostet ein Bitaxe Gamma im Monat an Strom?

Bei 17 W Dauerlast und einem deutschen Strompreis von rund 30 ct/kWh sind es etwa 3,70 € pro Monat. In Österreich ist es ähnlich, je nach Tarif zwischen 3 und 5 €.

Brauche ich technisches Vorwissen?

Für Lottery Mining kaum. Die Bitaxe-Firmware AxeOS hat eine Weboberfläche, in die du Stratum-Adresse und Bitcoin-Adresse einträgst. Für echtes Solo Mining mit eigenem Knoten brauchst du solide Linux-Kenntnisse oder die Bereitschaft, sie zu lernen.

Reicht mein Internetanschluss?

Ja. Der Mining-Datenverkehr ist minimal, wenige Kilobyte pro Sekunde. Selbst ein Smartphone-Hotspot reicht aus.

Was passiert, wenn der Strom ausfällt?

Nichts Schlimmes. Der Miner startet automatisch neu, sobald wieder Strom da ist, und verbindet sich erneut mit dem Pool. Verloren geht nur die Rechenzeit während des Ausfalls. Da jeder Hash unabhängig vom vorherigen ist, fehlt dir danach kein Fortschritt.

Ist Solo Mining in Deutschland und Österreich legal?

Ja. Erträge aus Mining gelten in Deutschland als Einkünfte aus sonstigen Leistungen (privat) oder aus Gewerbebetrieb (gewerblich), in Österreich werden sie entsprechend nach dem EStG behandelt. Bei einem Blockfund mit sechsstelliger Auszahlung solltest du vorher einen Steuerberater fragen, nicht wegen der Legalität, sondern wegen der korrekten Versteuerung.

Kann ich mit einem Bitaxe einen Block finden, ohne einem Pool beizutreten?

Ja, wenn du Public Pool oder einen ähnlichen Solo-Pool selbst hostest, auf deinem eigenen Bitcoin-Knoten. Dann läuft der „Pool“ lokal bei dir, und du bist echter Solo Miner.


Fazit

Solo Mining und Lottery Mining sind keine Alternative zu industriellem Mining, sie verfolgen ein anderes Ziel. Du schließt eine Wette mit kleinem Einsatz und großer möglicher Auszahlung ab, lernst dabei viel über Bitcoin und leistest einen kleinen, realen Beitrag zur Dezentralisierung.

Die Zahlen sind eindeutig: Mit einer Bitaxe Gamma liegt die Chance auf einen Blockfund in 12 Monaten bei etwa 1 zu 16.000. Jeder Fund zeigt aber auch, dass das Protokoll keinen Unterschied zwischen einem 130-TH/s-Cluster und einer 500-GH/s-Bitaxe macht. Ein gültiger Hash ist ein gültiger Hash.

Wenn du überlegst einzusteigen, beantworte dir drei Fragen ehrlich:

  1. Akzeptiere ich, dass ich vermutlich nie einen Block finden werde?
  2. Reizt mich das Hobby, das Lernen, der Beitrag zur Dezentralisierung?
  3. Sind mir die 3 bis 5 € Strom pro Monat das wert?

Wenn du alle drei mit Ja beantwortest, bist du beim Lottery Mining richtig.


Hardware für deinen Einstieg findest du bei uns auf solomining.de:
Bitaxe 603 Gamma, das aktuelle Einstiegsmodell
NerdQaxe++ Made in Germany, unser Flaggschiff

Fragen? Schreib uns. Wir helfen beim Setup, beim Pool-Vergleich und bei der DATUM-Konfiguration.


Quellen: Blocktrainer, D-Central Bitaxe Block Wins Tracker, DTV Electronics Solo Blocks Timeline, Ocean DATUM Press Release, CoinWarz Difficulty Chart. Stand: Mai 2026.

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